Lübeck
INFORMATIK 20089 Gesellschaft für Informatik e.V.
39. Jahrestagung, Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), Lübeck
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Workshop Digitale Multimedia-Forensik
- Techniken und Anwendungsgebiete -

Digitale Multimedia-Forensik ist aktuell wohl eines der spannendsten und meist diskutierten Forschungsfelder im Bereich der Multimedia-Sicherheit.   Weit mehr als 100 international publizierte Studien in den letzten vier bis fünf Jahren lassen auf eine äußerst aktive Forscher-Community schließen. Während das hohe Maß an Innovation bisher hauptsächlich von amerikanischen und asiatischen Forschergruppen getragen wird, bietet dieser Workshop erstmals explizit ein Forum für Wissenschaftler und Interessenten aus dem deutschsprachigen Raum.

Das allgemein hohe Interesse an der digitalen Multimedia-Forensik, das auch durch eine beachtliche Medienberichterstattung weit über die eigentliche Forscher-Community hinaus getragen wird, liegt in der Natur des Studienobjekts. Digitale oder digitalisierte Mediendaten durchdringen unser alltägliches Leben in nahezu allen Bereichen. Fotografien werden praktisch nur noch digital verbreitet, Informationen über Podcasts gestreut und Videos bei YouTube im Internet heruntergeladen. Dabei gerät oft in Vergessenheit, wie leicht digitale Daten manipuliert werden können. Ausgereifte Bearbeitungssoftware versetzt jeden in die Lage, digitale Mediendaten nach Belieben zu verändern -- häufig mit so großer Perfektion, dass dem Betrachter bzw. Zuschauer keinerlei Anhaltspunkt bleibt. Dies wird insbesondere dann zu einem Problem von gesellschaftlicher Relevanz, wenn digitalen Mediendaten die Aufgabe zukommt, sensible Informationen zu transferieren, beispielsweise als Beweismittel vor Gericht oder als Mittel (ernsthaften) Journalismus'. Es stellt sich die Frage inwieweit seit hunderten von Jahren verinnerlichte Denkweisen wie "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" in das digitale Zeitalter übertragbar sind.

Die digitale Multimedia-Forensik setzt sich mit dieser Problematik auseinander und stellt Techniken zur Überprüfung der Authentizität digitaler Mediendaten zur Verfügung. Anders als bisherige Ansätze (etwa auf Basis kryptographischer Verfahren oder digitaler Wasserzeichen) benötigen Verfahren der Multimedia-Forensik keinerlei Wissen über ein etwaiges Original. Allein durch eine statistische Analyse der Mediendaten ergeben sich praktisch unbegrenzte Anwendungsszenarien bei der Aufdeckung von Manipulationen und der Bestimmung der Herkunft von digitalen Mediendaten. Selbst Experten in diesem Gebiet sind immer wieder überrascht, für welche Fragestellungen in der Praxis Techniken der Multimedia-Forensik anwendbar sind.

Der Workshop soll zu der Entwicklung einer aktiven Forschergemeinde im deutschsprachigen Raum beitragen. Er richtet sich an Wissenschaftler mit Hintergrund in IT-Sicherheit, Multimedia, Bild- und Signalverarbeitung, Mustererkennung oder Computer Vision. Gleichermaßen finden alle Interessenten an Techniken zur Überprüfung und Sicherstellung der Authentizität digitaler Mediendaten aus den Bereichen Wirtschaft, Medien, Justiz und Sicherheit als potenzielle Anwender ein ideales Forum zum Gedankenaustausch und möglicherweise Anknüpfungspunkte für zukünftige Zusammenarbeit.